Nachdem ich eine schöne Zeit mit meinem Schatz und seiner erweiterten Familie verbracht hatte, hieß es heute wieder Abschied nehmen. Aber die Trennung tut nicht wirklich weh … schließlich haben wir uns, und das nächste Wiedersehen kommt bestimmt.😍
Micha hatte mir eine Küchenmaschine geschenkt. Mein altes Küchengerät hatte nämlich die charmante Angewohnheit entwickelt, nach jeder Benutzung eine neue Macke zu präsentieren. Da wir beide eher zur Fraktion „erst denken, dann Geld ausgeben“ gehören, haben wir bei einem Angebot zugeschlagen. Heute durfte ich das gute Stück dann für zusätzliche £10 Gepäckgebühren nach London einfliegen. Damit sparen wir ganz legal Versandkosten und Einfuhrsteuer. Ihr seht also: Hier gibt es nicht nur Reiseberichte, sondern gelegentlich auch Spartipps.
Da die Verpackung voluminöse Ausmaße hatte, musste die Küchenmaschine als Sperrgepäck aufgegeben werden. Der Zollbeamte warf einen Blick darauf und fragte, ob es eine Kaffeemaschine sei. Nicht heute … aber die Idee gefällt mir. Vielleicht beim nächsten Besuch. 😉
Da ich diesmal mit „leichtem“ Gepäck unterwegs war, habe ich sogar mein Handgepäck aufgegeben. Ich kann diesen Endspurt nach der Landung nicht ausstehen, wenn manche Passagiere aufspringen, als würde der Flieger gleich wieder zurückfliegen. Kaum sind die Räder auf dem Boden, werden Koffer aus den Fächern gerissen und Ellenbogen ausgefahren.🫣
Auch heute durfte ich wieder einige Exemplare der Gattung Mensch beobachten.
Am Check-in-Schalter stand eine vierköpfige Familie, die ihre Reiseorganisation offenbar dem Zufall überlassen hatte. Nachdem die Mitarbeiterin erklärt hatte, dass sie keinen Zugriff auf das System einer anderen Fluggesellschaft habe, wurde die Dame ziemlich ungehalten. Ein Kollege erklärte ihr geduldig, dass sie das erst in London bei ihrem Anschlussflug klären könne. Die Antwort gefiel ihr ungefähr so gut wie ein Bescheid vom Finanzamt.
Dann war da noch ein Vater mit seinem kleinen Sohn. Als er im Flugzeug seinen Rucksack abnahm, schaffte er das mit einer Eleganz, die man sonst nur von Abrissbirnen kennt. Die Frau hinter ihm bekam das gute Stück mit voller Wucht gegen den Oberkörper. Immerhin weiß sie jetzt, wie sich ein ungeplanter Kontaktsport anfühlt.
Und mein Sitznachbar hatte sich hingegen offensichtlich frisch geschniegelt. Er roch, als käme er direkt aus dem Bad. Das wiederum missfiel dem Passagier vor ihm. Noch während des Starts fragte dieser einen Steward, ob er sich umsetzen könne, da er den Duft nicht ertrage. Nun ja … mir persönlich ist jemand, der etwas zu gut riecht, immer noch lieber als jemand, der seit drei Tagen eine intensive Beziehung zu seiner Dusche vermeidet.
In London angekommen, konnte man erfreulicherweise mit dem Gepäckwagen bequem bis zum Bahnsteig der Underground fahren. Dort endet allerdings mein logistischer Einsatz. Wenn ich an meiner Station ankomme, wird mein Neffe die Küchenmaschine nach Hause tragen dürfen. Schließlich muss sich die nächste Generation auch einmal nützlich machen.
Den Abend werde ich wohl damit verbringen, mich wieder an den Londoner Alltag zu gewöhnen. Die Wäsche wartet, die Arbeit im Büro wird auch nicht weniger und die Küchenmaschine möchte wahrscheinlich auch wissen, in welchem Haushalt sie künftig arbeiten soll.


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