Seit Tagen Dauerregen auf der Insel – damit habe ich ja kein Problem, letztlich normales Wetter hier. Nerviger ist jedoch die Tatsache, dass meine nächstgelegene Underground-Station bis Mitte März saniert wird. Wer jetzt an eine große Modernisierung denkt, irrt leider gewaltig. Lediglich die Rolltreppen werden instand gesetzt, sodass von zwei Rolltreppen eine saniert wird, während die andere, ankommende Fahrgäste nach oben befördert. Aussteigen ja, einsteigen nein – die auch vorhandene herkömmliche Treppe hat praktisch nur symbolischen Charakter; offenbar traut man uns den Abstieg hierüber nicht zu. Um in die Stadt zu kommen, bleibt also nur der Bus zur nächsten Station.

Für mich gab es hier jetzt zwei Optionen: Richtung Norden fahren, mit geringer Auslastung und hoher Sitzplatzchance, oder in die Gegenrichtung, zwar etwas schneller, aber mit deutlich höherer Auslastung, die dann mit Koffer an der Hand sicher mehr Körpereinsatz und Durchsetzungsvermögen erfordern würde. Da ich Konflikte und Stress aber eher meide, wählte ich die entspanntere Variante Richtung Norden. Im Bus musste ich dann feststellen, dass meine Oyster Card leer war 🙄. Aber Glück im Unglück und ein kleiner Triumph für mich: Ich hatte eine Ersatzkarte dabei. Wie es dann aber natürlich kommen musste, war an der Station der Automat außer Betrieb, aber mein Glück verließ mich an dieser Stelle nicht: Das Guthaben auf meiner Ersatzkarte sollte noch bis zum Flughafen reichen.


Die Fahrt verlief zügig und zunächst ruhig, bis eine mit Koffern, Rucksäcken und Trunkies schwerbepackte deutschsprachige Familie zustieg. Die explosive Stimmung war förmlich greifbar. Was mit einem kleinen Sitzplatzkonflikt begann, dehnte sich zu einem lautstarken Familienstreit aus, dabei schien es, als würden sie die mitfahrenden Passagiere gar nicht wahrnehmen oder einfach ausblenden. Wie sagt man doch so schön, neudeutsch: CRINGE, einfach nur zum Fremdschämen. Im Gegensatz zu manch anderem im Zug konnte ich auch noch die Konversation inhaltlich verstehen, so dass ich innerlich über die Dynamik des Streits, der Vorwürfe und Wortgefechte der Eltern nur den Kopf schütteln konnte. Die pädagogischen Maßnahmen wirkten eher hilflos bis lächerlich. Als eine nicht gekaufte Chipstüte offensichtlich erneut zur Sprache kam, eskalierte die Situation dann vollends. Merke, manchmal liegt das Problem nicht bei den Kindern, es sind die Eltern; dabei lieben Kinder aber Trunkies, nur selbst tragen mögen sie sie nicht 😅. Als die Familie ausstieg, kehrte eine nahezu himmlische Ruhe ein – und das in der Londoner Underground, Wahnsinn!
Sehr rechtzeitig am Flughafen angekommen, musste ich eine Stunde warten, denn bei BA ist der Check-in erst zwei Stunden vor Abflug möglich. Also suchte ich mir ein ruhiges Plätzchen und aß meine mitgebrachten Sandwiches – man kennt ja die Preise an Flughäfen. 😉

Recht bald machte sich ein Paar hinter mir gemütlich, für meine Begriffe zu sehr, denn sie lehnte sich so weit zurück, dass sich unsere Haare berührten, dazu eine lautstarke Diskussion, die jede Aufmerksamkeit auf sich zog. Daher wechselte ich nach dem Essen den Platz – ich setzte mich direkt vor die Recyclingbehälter. Dort beobachtete ich einen älteren Herrn mit einer leeren Milchtüte aus Plastik. Er studierte die Schilder ausgiebig, stellte die Tüte dann aber daneben. Scheinbar verwirrten ihn die Abbildungen. Zunächst wollte ich helfen, entschied mich aber doch anders; letztlich möchte man niemanden in Verlegenheit bringen. 😊 Menschen zu beobachten hat für mich etwas Faszinierendes, ein Hobby übrigens, das ich mit Micha teile. ♥️
Check-in und Security gingen flott. Meine halbhohen Stiefel scheinen aber immer sehr verdächtig zu sein. Was ich letztes Mal noch als „Stichprobe“ abhakte, ist wohl eher grundsätzlicher Natur, also künftig nur noch Sneakers. Das unfreiwillige teilweise Entkleiden ist immer unangenehm und irgendwie auch entwürdigend. 😉
Im Duty-Free drehte ich eine kleine Runde. Süßigkeiten lohnen sich hier kaum; im Supermarkt sind sie günstiger – größere Verpackungseinheiten wirken vielleicht spektakulär und edel, gaukeln einem zudem ein vermeintliches Schnäppchen vor. Vorsicht auch bei Hochprozentigem, denn manche Angebote erscheinen attraktiv, werfen aber zollrechtliche Fragen auf. So kann eine 2-Liter-Flasche Johnny Walker für einen Alleinreisenden schnell mal zum Problem werden. Die Verkäufer sehen das auf Nachfrage oft zu entspannt; na klar, die wollen nur verkaufen. 🙄
Kleiner Spar-Tipp: Snacks und Getränke nicht bei WHSmith kaufen, das ist sehr teuer; Boots ist deutlich günstiger. Vergleichen lohnt sich also!


Der Flug selbst war angenehm. Ich saß am Notausgang, entspannte Sitznachbarn, keine Turbulenzen, Handgepäck in der Ablage oben. Der Partner meiner Sitznachbarin, der aber hinter mir saß, übernahm freundlicherweise die Aufsicht meiner Handtasche, in der ich Geld und Pass aufbewahrte. Mein Vertrauen in die Menschheit wurde hier kurzfristig wieder etwas stabilisiert. 😊 In Berlin ging die Passkontrolle überraschend schnell. Neue Automaten erfassen den Pass, die Fingerabdrücke und das Foto, und man ist zügig weiter am Schalter. Eine gut gelaunte Beamtin dort freute sich, mit mir Deutsch sprechen zu können.
Wenig später begann dann die wirklich wertvolle Zeit: Micha. ♥️


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